Geburtsvorbereitung: Warum Vertrauen, Position und Ort über deine Geburt mitentscheiden

Schwangere Frau übt mit Ball Geburtsvorbereitung

Schwangerschaft & Geburt

Geburtsvorbereitung: Warum Vertrauen, Position und Ort über deine Geburt mitentscheiden

Schwangere Frau beim MeditierenGeburtsvorbereitung beginnt oft lange vor dem ersten Wehenschmerz: im Kopf.

Vertrau dir selbst. Das ist der Satz, den ich mir während beider Schwangerschaften am häufigsten gesagt habe, und der am Ende beide Male gestimmt hat. Als ich zum ersten Mal schwanger war, hatte ich eine unbegründete Angst vor Krankenhäusern, konnte sie mir selbst nicht erklären. Gleichzeitig spürte ich von Anfang an einen ganz klaren inneren Wunsch: Ich wollte zuhause gebären. Nicht aus Trotz, nicht aus Prinzip, sondern weil sich das für mich richtig anfühlte. Mein Partner stand von der ersten Sekunde an hinter mir, und trotzdem hatte ich Respekt vor dem, was da kommen würde. Respekt, aber kein Zweifel an meinem Körper.

Genau darum soll es in diesem Artikel gehen: nicht um die eine perfekte Methode, sondern um drei Bausteine, die in der Geburtsvorbereitung oft zu kurz kommen: Vertrauen in den eigenen Körper, die bewusste Wahl der Geburtsposition und die bewusste Wahl des Geburtsortes. Alle drei hängen enger zusammen, als es auf den ersten Blick scheint.

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Schwangere Frau unterstützt von ihrem Mann            Mann unterstützt Frau während der Geburt            Mann als Unterstützung während der Wassergeburt

Phase Was normal ist Was jetzt hilft
1.–13. SSW Erste Gedanken an die Geburt fühlen sich oft weit weg oder diffus an: das ist normal. Sich in Ruhe informieren, Hebamme suchen, erste Gedanken zum Geburtsort sammeln.
14.–27. SSW Konkrete Fragen und auch Ängste tauchen häufiger auf. Geburtsvorbereitungskurs buchen, sich mit Positionen und Geburtsorten auseinandersetzen.
28.–40. SSW Die Geburt rückt näher, Unsicherheit und Vorfreude wechseln sich ab. Wünsche zu Position, Ort und Wunschhebamme konkret mit der Klinik/Hebamme besprechen,
Geburtsplan schreiben.

1. Vertrauen in den eigenen Körper aufbauen

Dein Körper weiß, wie das geht. Das klingt fast zu einfach, um wahr zu sein, und trotzdem ist genau diese Grundhaltung einer der stärksten Hebel in der Geburtsvorbereitung.

Schwanger Frau übt positive Affirmationen für die Geburt

 Geburt ist ein körperlicher Vorgang, für den unser Körper gemacht ist – dieser Gedanke hat mich durch die Schwangerschaft getragen. Das bedeutet nicht, dass sie leicht oder schmerzfrei ist. Es bedeutet, dass Angst und Anspannung den Prozess eher erschweren können, während Vertrauen und Entspannung ihn eher unterstützen.

Bei mir hat sich dieses Vertrauen nicht von selbst eingestellt, sondern ich habe aktiv daran gearbeitet: mit einem Geburtsvorbereitungskurs, mit Hypnobirthing (einer Methode aus Atem-, Entspannungs- und Visualisierungstechniken für die Geburt) und mit Affirmationen, kurzen, positiv formulierten Sätzen, die ich mir immer wieder vorgesagt bzw. mir gedacht habe. Sie haben mir aber geholfen, innerlich ruhiger und selbstbestimmter in die Geburt zu gehen.

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Beide Male habe ich einen Großteil der Eröffnungsphase (die erste, meist längste Phase der Geburt, in der sich der Muttermund öffnet) allein zuhause in der warmen Badewanne verbracht. Ich habe meine Wehen selbst gestoppt und meinen Partner bewusst erst spät geweckt, auch das war Ausdruck von Vertrauen: dem Gefühl, selbst am besten zu spüren, wann es Zeit wird.

2. Die Geburtsposition bewusst wählen: liegend ist nicht automatisch die beste

Die Schwerkraft hilft mit. Diese Erfahrung habe ich bei meiner zweiten Geburt sehr direkt gemacht: eine spontane Alleingeburt im Stehen, weil die Hebamme nicht rechtzeitig da war. Nach den Stunden in der Badewanne ging es plötzlich nur noch 30 bis 60 Minuten. Im Stehen hatte ich das Gefühl, dass die Schwerkraft mir hilft, es fühlte sich natürlicher und selbstbestimmter an als liegend oder sitzend, wie bei meiner ersten Geburt, bei der ich mich (mangels Energie) angelehnt im Sitzen mit meiner Hebamme entbunden habe.

Meine zweite Geburt war eine ungeplante Alleingeburt, keine bewusste Entscheidung dafür. Wenn du zuhause gebären möchtest, ist eine anwesende, qualifizierte Hebamme der sichere und empfohlene Weg, dazu gleich mehr im Abschnitt zum Geburtsort.

Meine persönliche Erfahrung deckt sich mit dem, was die Forschung zu aufrechten Geburtspositionen zeigt. Laut einem Cochrane-Review von Gupta et al. (Update 2017), der 30 randomisierte Studien mit 9.015 Frauen ohne PDA (Periduralanästhesie, eine Form der Schmerzbetäubung) auswertete, verkürzte eine aufrechte Position die Austreibungsphase (die Presswehen-Phase, in der das Baby geboren wird) im Schnitt um etwa sechs Minuten gegenüber der liegenden Position. Zudem kam es zu weniger Dammschnitten und zu weniger instrumentellen Entbindungen mit Zange oder Saugglocke.

Eine kleinere Kohortenstudie aus dem Jahr 2014, auf die unter anderem Prof. Frank Louwen hinweist, ergänzt das um einen anatomischen Aspekt: In knieender Position war das Becken bis zu zwei Zentimeter breiter als in Rückenlage, mit potenziell besserer Durchblutung der Gebärmutter und effektiveren Wehen.

Position Möglicher Vorteil Worauf achten
Stehen / Gehen Schwerkraft unterstützt, mehr Bewegungsfreiheit Braucht Kraft und Ausdauer, nicht bei jeder Geburtssituation geeignet
Vierfüßlerstand Entlastet den Rücken, oft angenehm bei Rückenschmerzen Weniger Blickkontakt zur Hebamme/zum Partner
Hocken / Gebärhocker Öffnet das Becken, nutzt die Schwerkraft Anstrengend über längere Zeit, Unterstützung sinnvoll
Seitenlage Schonend, gut bei Erschöpfung oder mit PDA Weniger Unterstützung durch Schwerkraft

Quelle: Gupta et al. (Update 2017), Cochrane-Review; Kohortenstudie 2014, zit. n. Quarks.de.

Schwangere Frau übt mit Ball GeburtsvorbereitungAndere Positionen lassen sich schon in der Schwangerschaft ausprobieren, zum Beispiel mit dem Gymnastikball.

3. Den Geburtsort bewusst wählen

Nicht jeder Ort passt zu jeder Frau. Klinik, Geburtshaus oder Hausgeburt: jede dieser Optionen hat ein anderes Betreuungsmodell, eine andere Atmosphäre und andere medizinische Möglichkeiten direkt vor Ort. Eine Klinikgeburt bietet die schnellste Anbindung an ärztliche und operative Versorgung, falls sie gebraucht wird. Ein Geburtshaus arbeitet hebammengeleitet, meist mit vertrauter 1:1-Betreuung, aber ohne Arzt vor Ort. Eine Hausgeburt bietet die vertraute Umgebung des eigenen Zuhauses, sie ist aber nur für Schwangerschaften ohne erkennbare Risikofaktoren geeignet und braucht zwingend eine anwesende, erfahrene Hebamme sowie einen klaren Plan, was passiert, wenn doch in die Klinik verlegt werden muss.

Bei mir stand der Wunsch nach einer Hausgeburt schon früh fest, obwohl ich Respekt davor hatte. Was mir Sicherheit gegeben hat, war die enge Absprache mit meiner Hebamme, klare Kriterien, wann wir doch in die Klinik gefahren wären, und das Wissen, dass ich jederzeit umentscheiden könnte. Da wir in der Stadt leben, wäre eine Verlegung des Geburtsorts kein Problem gewesen. Welcher Ort für dich richtig ist, kannst du nur gemeinsam mit deiner Hebamme oder Ärztin anhand deiner individuellen Situation entscheiden, es gibt hier keine pauschal „beste“ Wahl. Informiere dich gut, schau dir die Klinik oder das Geburtshaus bald genug im Voraus an und fühl in dich hinein. DU musst dich wohlfühlen.

4. Die Wunschhebamme mit ins Krankenhaus nehmen

Schwangerer Frau entspannt in Natur

Ein Detail, das viele werdende Eltern gar nicht kennen: In vielen Kliniken lässt sich eine sogenannte Beleghebamme oder Wunschhebamme mit in den Kreißsaal bringen: eine Hebamme, die dich bereits aus der Schwangerschaft kennt und dich während der Geburt persönlich und durchgehend begleitet, zusätzlich zum Klinikpersonal. Das kann gerade dann viel Sicherheit geben, wenn dir ein vertrautes Gesicht in einer fremden Umgebung wichtig ist.

Wichtig ist, das frühzeitig zu organisieren: Sprich schon in der Schwangerschaft sowohl mit deiner Hebamme als auch direkt mit der Klinik ab, ob und wie eine Begleitung durch eine externe Hebamme möglich ist, welche Kosten eventuell entstehen und welche Unterlagen dafür nötig sind. Je früher du das klärst, desto entspannter kannst du dich später auf die Geburt selbst konzentrieren.

5. Deinen Partner von Anfang an einbinden

Geburtsvorbereitung: Paar bereitet sich gemeinsam auf die Geburt vor
Nichts ist hilfreicher, als ein Mann, der weiß, wie er dich kompetent unterstützen kann!

Geburtsvorbereitung ist keine Aufgabe, die eine Person allein stemmen muss.

 Mein Partner war von Anfang an mit im Boot, er kannte meine Wünsche zu Geburtsort und -position, wusste, worauf es mir ankommt, und konnte mich in den entscheidenden Momenten unterstützen, ohne selbst überfordert zu sein. Das gemeinsame Vorbereiten, gemeinsame Gespräche über Ängste und Wünsche, machen für beide Seiten einen spürbaren Unterschied, auch für das eigene Gefühl von Sicherheit während der Geburt.

Ohnmacht ist für viele Partner eigentlich das Schwierige an einer Geburt. Sie können die Wehen nicht abnehmen, nicht in den Körper der Frau eingreifen, und stehen trotzdem mittendrin. Wer nicht weiß, was er in genau diesem Moment tun kann, fühlt sich schnell nutzlos, auch wenn er es eigentlich nicht ist. Aus dem, was mein Partner mir danach erzählt hat, hat sich das für ihn spürbar geändert, sobald er konkrete Dinge kannte, die wirklich helfen: wann Gegendruck auf den Rücken guttut, wann es besser ist, einfach nur da zu sein und die Hand zu halten, wann er mit der Hebamme sprechen sollte statt mit mir. Was er vor, während und nach der Geburt tun kann, um mich zu unterstützen. Dieses Wissen hat ihm nicht die Anspannung genommen, aber es hat ihm etwas gegeben, das er tun konnte, statt nur zuzuschauen. Und genau das gibt am Ende auch dir als Gebärender mehr Sicherheit: ein Partner, der sich zutraut zu helfen, statt selbst in Panik zu geraten.

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Was nicht zwangsläufig hilft: ehrlich betrachtet

Es gibt keine Garantie. So ehrlich muss man an dieser Stelle sein: Auch die „richtige“ Vorbereitung, die „richtige“ Position oder der sorgfältig gewählte Geburtsort können nicht garantieren, dass alles genau nach Plan läuft. Manchmal ändert sich während der Geburt kurzfristig alles: eine geplante Hausgeburt wird zur Klinikverlegung, eine bevorzugte Position lässt sich in dem Moment nicht halten, die Wunschhebamme ist doch nicht verfügbar. Das ist kein Versagen und keine schlechte Vorbereitung, sondern normaler Teil davon, dass jede Geburt anders verläuft. Vorbereitung bedeutet nicht, jeden Ausgang zu kontrollieren, sondern flexibel und mit Vertrauen auf das reagieren zu können, was tatsächlich passiert.

Fazit: Vertrauen, Position und Ort als Team

Am Ende sind es diese drei Bausteine, die den Unterschied gemacht haben: Vertrauen in meinen Körper, die Freiheit, meine Position selbst zu wählen, und ein Geburtsort, der zu mir gepasst hat. Keiner davon ist eine Garantie, aber zusammen haben sie mir beide Male ein Gefühl von Sicherheit gegeben, das ich vorher nicht für möglich gehalten hätte. Wenn du direkt mit der Vorbereitung starten willst, findest du hier den Geburtsvorbereitung Onlinekurs, mit dem du strukturiert durch genau diese Themen gehst. Vor allem wenn dies deine erste Schwangerschaft ist, kann ich dir einen Vorbereitungskurs von Herzen empfehlen.

Wann du dich unbedingt an Hebamme oder Ärztin wenden solltest

  • Bei starken, ungewöhnlichen Schmerzen oder Blutungen in der Schwangerschaft.
  • Wenn du unsicher bist, ob eine Hausgeburt für deine individuelle Schwangerschaft geeignet ist.
  • Wenn Wehen deutlich vor dem errechneten Termin einsetzen oder sich ungewöhnlich anfühlen.
  • Bei jeder Unsicherheit rund um Position, Geburtsort oder Verlauf, lieber einmal zu früh fragen.

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Häufige Fragen zur Geburtsvorbereitung

Muss ich mich für eine bestimmte Geburtsposition entscheiden?

Nein, das musst du nicht im Voraus festlegen. Viele Frauen wechseln während der Geburt mehrfach die Position, je nachdem, was sich gerade richtig anfühlt. Es kann trotzdem helfen, verschiedene aufrechte Geburtspositionen schon in der Schwangerschaft körperlich auszuprobieren, damit sie dir im Ernstfall vertrauter sind.

Ist eine Hausgeburt für jede Frau möglich?

Nein. Eine Hausgeburt kommt nur infrage, wenn die Schwangerschaft ohne erkennbare Risikofaktoren verläuft, und braucht immer eine anwesende, qualifizierte Hebamme sowie einen klaren Plan für den Fall einer nötigen Verlegung in die Klinik. Ob sie für dich geeignet ist, entscheidest du gemeinsam mit deiner Hebamme oder Ärztin.

Kann ich meine Wunschhebamme auch bei einer Klinikgeburt dabeihaben?

In vielen Kliniken ist das über eine Beleghebamme möglich. Kläre das am besten frühzeitig in der Schwangerschaft direkt mit deiner Hebamme und der Klinik, da Regelungen und Kosten von Klinik zu Klinik unterschiedlich sind.

Helfen Affirmationen und Hypnobirthing wirklich bei der Geburt?

Beides sind keine medizinischen Verfahren, sondern Entspannungs- und Mentaltechniken. Viele Frauen, auch ich, empfinden sie als hilfreich, um ruhiger und selbstbestimmter in die Geburt zu gehen. Ein Ersatz für medizinische Betreuung oder eine Garantie für einen bestimmten Verlauf sind sie aber nicht.

Was, wenn während der Geburt alles anders läuft als geplant?

Das ist keine Seltenheit und kein Zeichen mangelnder Vorbereitung. Geburtsvorbereitung (ob durch Kurs, Positionen üben oder die Wahl des Geburtsorts) hilft vor allem dabei, flexibel und mit Vertrauen auf Veränderungen reagieren zu können, statt einen einzigen „perfekten“ Ablauf zu erwarten.


Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine Beratung durch Hebamme oder Ärztin/Arzt. Bei Unsicherheiten oder Beschwerden wende dich bitte an deine Hebamme oder Kinderärztin.

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Nicole Has

Mama von zwei Kindern, die aus eigener Erfahrung über Geburtsvorbereitung, Vertrauen in den Körper und selbstbestimmte Geburten schreibt.

Quellen

Gupta, J.K. et al. (2017). Position in the second stage of labour for women without epidural anaesthesia. Cochrane Database of Systematic Reviews. cochrane.org/de/evidence/CD002006

Kohortenstudie (2014), zitiert nach: Quarks.de, „Darum ist die Rückenlage die ungünstigste Position“.

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